Einige Schritte zurück!

Friedensvorschlag eines Oberrabbiners

Paul Chaim Eisenberg war von 1983 bis Juni 2016 Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. In seinem Büchlein „Auf das Leben. Witz und Weisheit eines Oberrabbiners“ erinnert er daran, dass jüdische Gläubige dreimal täglich ein Gebet sprechen, das mit ganz ähnlichen Worten endet wie die Friedensbotschaft im Weihnachtsevangelium. Dieser Text lautet: „Ewiger, der du Frieden in den Höhen stiftest, mache auch Frieden für uns, für alle Menschen, und für dein Volk Israel.“

Paul Chaim Eisenberg erläutert: „Beim Sprechen dieser Bitte gehen wir mit dem Gesicht nach vorne gerichtet drei Schritte rückwärts. Das machen wir deshalb, weil man einem König wie dem Ewigen nicht einfach den Rücken kehrt, wenn man von ihm weggeht. Meine Interpretation dieses Brauches ist die folgende: Wenn jemand wirklich Frieden will, so kann er es nicht dem Ewigen allein überlassen, diesen Frieden zu bringen. Auch er selbst muss bereit sein, von seinen Maximalforderungen abzurücken und einige Schritte zurückzuweichen.“[1]

Wer einige Schritte zurückgeht, so macht der Autor deutlich, der macht Platz für einen anderen Menschen, er gibt Raum zum Dialog und zur konstruktiven Auseinandersetzung.

Das Weihnachtsfest erinnert uns an den hohen Wert des Friedens, es lädt uns ein dafür auch den einen oder anderen Schritt zurückzumachen, um gleichzeitig auf andere zuzugehen, und so von unseren Maximalforderungen abzurücken.


[1] Eisenberg, Paul Chaim: Auf das Leben! Witz und Weisheit eines Oberrabbiners, Wien (Brandstätter) 2017, 98.

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