Glaubensbekenntnis für den Frieden


der Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990

Im März 1990, ein halbes Jahr nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, als mit dem Ende des Kalten Krieges die Welt zusammenzuwachsen schien, trafen sich Vertreterinnen und Vertreter vieler christlicher Kirchen und Bewegungen aus Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika, Nordamerika, dem Nahen Osten, aus der Karibik und dem Pazifik in Seoul (Korea), um darüber zu beraten, wie sie gemeinsam auf die Bedrohungen durch Ungerechtigkeit, Gewalt und die Zerstörung der menschlichen Umwelt reagieren können. Heute, 35 Jahre später, scheint die Welt aus den Fugen geraten zu sein. Profit- und Machtgier haben die Vision einer friedlichen Weltgemeinschaft zunichte gemacht. Stattdessen leben wir heute in Angst vor Krieg, Umweltzerstörung, Unterdrückung, Vertreibung und globalem Chaos, während Einzelne davon profitieren und weiterhin auf unmenschlichen Systemen autokratischer Herrschaft, technischer Innovation und digitaler Bevormundung beharren. Während sie weiterhin an ein Wirtschaftssystem glauben, das die Naturressourcen rücksichtslos ausbeutet und Menschen in verachtender Weise ihrer Würde beraubt durch schlechte Bezahlung und schädigende Arbeitsbedingungen, versuchen weltweit Frauen und Männer durch Aufklärung, Widerstand und Formen der Spiritualität ein Umdenken anzustoßen. Das Friedens-Glaubensbekenntnis, das 1990 in Seol geschrieben wurde, gibt eindrucksvoll Zeugnis für dieses Umdenken, das bei jedem Einzelnen anfangen muss, damit wir als Gemeinschaft überleben können. Wir wollen dieses Gebet weitertragen, damit es in unserer so bedrängten Zeit seine Wirkung entfalten kann.

Barbara Fuchs

Friedens-Glaubensbekenntnis (Seoul 1990)

Ich glaube an Gott, der die Liebe ist und der die Erde allen Menschen geschenkt hat. Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren, an die Stärke der Waffen, an die Macht der Unterdrückung.

Ich glaube an Jesus Christus, der gekommen ist, uns zu heilen, und der uns aus allen tödlichen Abhängigkeiten befreit. Ich glaube nicht, dass Kriege unvermeidbar sind, dass Frieden unerreichbar ist. Ich glaube nicht, dass Leiden umsonst sein muss, dass der Tod das Ende ist, dass Gott die Zerstörung der Erde gewollt hat.

Ich glaube, dass Gott für die Welt eine Ordnung will, die auf Gerechtigkeit und Liebe gründet, und dass alle Männer und Frauen gleichberechtigte Menschen sind. Ich glaube an Gottes Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen.

Ich glaube an die Schönheit des Einfachen, an die Liebe mit offenen Händen, an den Frieden auf Erden.

Amen.

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