Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer
Im Krieg ist das erste Opfer die Wahrheit. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, Europa befindet sich im Krieg: in einem brutalen Abnutzungskrieg in der Ukraine und in einem hybriden Krieg mit Sabotageaktionen, breitgefächerter Desinformation, kalkulierten Provokationen und feinen Nadelstichen im restlichen Europa.
Auch global ist es um die Wahrheit momentan nicht gut bestellt. Was wahr und falsch ist, entscheiden immer häufiger die Mächtigen dieser Welt. Wer das Sagen hat, bestimmt, was Sache ist und wie man die Dinge zu sehen hat. Was nicht ins eigene Weltbild passt, wird passend gemacht oder als fake news diffamiert.
Was ist schon Wahrheit, hat sich bereits Pontius Pilatus gefragt (Joh 18,38)? Die Frage bleibt im Prozess Jesu bekanntlich unbeantwortet. Da offene Fragen Philosoph:innen und Theolog:innen schon immer fasziniert haben, zumal, wenn es sich um wichtige und grundlegende Fragen handelt, ist das aktuelle Jahrbuch der PTH Brixen der Frage nach der Wahrheit gewidmet. „Wahrheit und Lüge – Theologie in Zeiten von Fake news und Desinformation“ so lautet der Titel der Publikation, an der Wissenschaftler:innen aus dem In- und Ausland mitgearbeitet haben.
Zwei Beiträge seien exemplarisch herausgegriffen: Falschnachrichten verbreiten sich im hypervernetzten digitalen Zeitalter ungefiltert und rasend schnell. Den gefährlichen gesellschaftlichen Auswirkungen dieses Informationsverfalls geht die in Innsbruck lehrende Philosophin Federica I. Malfatti nach. Im Ringen um Wahrheit, Werte und intellektuelle Verantwortung sieht sie vor allem die Philosophie gefordert.
Aber auch die Theologie darf nicht schweigen, wenn Wahrheit heute als Illusion bzw. als rein subjektive Überzeugung ausgewiesen wird. Für eine argumentativ untermauerte, konsensfähige bzw. kommunikativ vermittelbare Deutung der Wirklichkeit macht sich der bekannte Moraltheologe Martin M. Lintner stark.
Anstatt sich bequem in eigenen Wahrheiten einzuigeln, gilt es, sich darum zu bemühen, die Wirklichkeit zu erfassen, wie sie ist.
https://www.pthsta.it/forschung/brixner-theologisches-jahrbuch
Christoph J. Amor – Prof. an der Theologischen Hochschule Brixen


