8. März: internationaler Frauentag – Eine bemerkenswerte Ost-West Initiative
Der Internationale Frauentag entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen – aber nicht nur – und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Der ausführliche Name des Weltfrauentages, der jährlich am 8. März begangen wird lautet „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. Das verweist auf die historische Verbindung der internationalen Friedensbewegung mit den bürgerlichen und proletarischen Frauenbewegungen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie auf das pazifistische Wirken zahlreicher namhafter Persönlichkeiten dieser Zeit.
Auf Betreiben von Zaren Nikolaus II. (1868-1918) fand vom 18. Mai bis 29. Juli 1899 die internationale Friedenskonferenz in Den Haag statt. Die in München lebende international tätige Zoologin, Anthropologin und Paläontologin Margarethe Leonore Selenka (1860-1922) nahm gemeinsam mit anderen Aktivistinnen der Frauen- und Friedensbewegung diese Konferenz zum Anlass, Frauen aus der ganzen Welt für deren Ziele zu gewinnen, mit dem Erfolg, dass in 19 Ländern Europas, Asiens und Amerikas 565 Friedenskundgebungen stattfanden. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit war Margarethe Lenore Selenka als Mitglied des Verbandes Fortschrittlicher Frauenvereine auf dem Gebiet der Frauenrechts- und Friedensbewegung aktiv. Das verweist auf den Zweig der bürgerlichen, zum Teil mit dem europäischen Adel verbundenen Frauenbewegung, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und Frauenrechte einsetzte. Zentren dieser Bewegung waren München und Zürich.
Selenka war befreundet mit der bürgerlich-radikalen Juristin, Frauen- und Friedensrechtlerinnen Anita Augspurg, deren Arbeits- und Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann sowie mit der Philosophin, Frauenrechtlerin und Sexualreformerin Helene Stöcker. Sie standen in Korrespondenz mit Bertha von Suttner, aber auch mit Wissenschaftlern wie Ernst Haeckel und Svante Arrhenius. Auf ihren Antrag hin beschlossen die Frauen beim Londoner Frauenkongress im Juni 1899, alljährlich für «die grossen Culturideen des Friedens und des internationalen Rechtes» zu demonstrieren.
Die Grausamkeiten des Burenkriegs mobilisierten 1901/1902 breite bürgerliche Kreise in München und gaben der jungen Frauenfriedensbewegung Auftrieb. Helene Stöcker vertrat die weiblich-pazifistische Position im „Bund Neues Vaterland“. In Bayern waren es neben nichtorganisierten Katholikinnen und Schriftstellerinnen wie Annette Kolb (1870-1967) und Claire Studer-Goll (die beide vor der Verfolgung durch die bayerische Polizei in die Schweiz emigrieren mussten) Frauen aus dem Kreis um Augspurg und Heymann, u. a. Gertrud Baer und Lucie Hoesch-Ernst (1864-1944).
Trotz Polizeiverfolgung, Postüberwachung und Bespitzelung, trotz Reiseverboten und Inhaftierung verstärkten die Pazifistinnen ihre Aktivitäten gegen den Krieg und für eine völkerversöhnende Politik. 1904 nahm Selenka als Vertreterin des Verbandes Fortschrittlicher Frauenvereine an der internationalen Friedenskonferenz in Boston teil, 1915 auch an der Friedenskonferenz in Den Haag. Daraufhin wurde sie in Deutschland für den Rest des Weltkrieges unter Hausarrest gestellt.
Unter dem Aufruf Lida Gustava Heymanns zu gemeinsamem Handeln „Frauen Europas, wann erschallt Euer Ruf?“ (erschienen in der englischen Zeitschrift Jus Suffragii, 1. Februar 1915 und als – umgehend beschlagnahmtes – Anti-Kriegsflugblatt in Bayern) gründeten auf dem 1. Internationalen Frauenkongress vom 28. April bis zum 1. Mai 1915 Frauen der kriegführenden Länder den „Frauenausschuss für dauernden Frieden“. Auf dem 2. Frauenfriedenskongress in Zürich vom 12. bis 19. Mai 1919 wurde er in „Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit“ (IFFF) umbenannt. Die IFFF arbeitet noch heute mit nationalen Ausschüssen in zahlreichen Ländern und besitzt als Nicht-Regierungsorganisation Beraterstatus in der UNO. Der deutsche Zweig hatte seit 1919 seinen Sitz im Münchner Leuchtenbergpalais unter der Leitung von Anita Augspurg. Um 1928 gehörten ihm etwa 2.000 Mitglieder in 80 weitgehend selbständig arbeitenden Ortsgruppen an.
In Berlin, dem Zentrum eines eher klassenkämpferischen weiblichen Pazifismus, repräsentiert vor allem durch Rosa Luxemburg und Clara Zetkin wurde eine sozialistische Kriegsgegnerschaft gegründet. Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin schlug auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen gegen den Willen ihrer männlichen Parteikollegen die Einführung eines internationalen Frauentages vor, ohne ein bestimmtes Datum zu favorisieren. Die Idee dazu kam aus den USA. Dort hatten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet, welches beschloss, einen besonderen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Der erste Frauentag wurde dann am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert.
Seit 1921 findet der internationale Frauentag am 8. März statt. Warum der 8. März? Am 8. März 1917 streikten in Sankt Petersburg Arbeiterinnen, Ehefrauen von Soldaten und erstmals auch Bäuerinnen gemeinsam und lösten so die Februarrevolution aus. Ihnen zu Ehre wurde auf der „Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen“ 1921 in Moskau der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt.
Die Verbindung von Frauen- und Friedensbewegung wurde im Jahr 2020 durch die Verabschiedung der Resolution 1325 durch den UN-Sicherheitsrat unterstrichen. Darin wird anerkannt, dass Frauen eine entscheidende Rolle bei der Verhütung und Lösung von Konflikten spielen. Frauen sind nicht nur Opfer von Kriegen und gewaltsamen Auseinandersetzungen – sie gestalten auch aktiv Friedensprozesse und den Wiederaufbau nach Konflikten.
Internationaler Frauentag am 8. März 2026:
Unter dem Motto „Rights. Justice. Action. For ALL Women and Girls“ rufen wir dazu auf, strukturelle Hindernisse abzubauen, die den gleichberechtigten Zugang zu Recht und Gerechtigkeit einschränken: nämlich Diskriminierende Gesetze, patriarchale Normen und systematische Ungleichheiten.

