Berta von Suttner “Die Waffen nieder!”
Gestern haben wir uns wie jeden Montag in der Erhardskirche in Brixen getroffen. Ich hatte etwas vorbereitet, das ich euch nicht vorenthalten möchte und das sich auch eignet, in eurem Blog abgedruckt zu werden. Ich hatte mich ein wenig schlau gemacht zum Bestseller „Die Waffen nieder!“ von Berta von Suttner, einem Roman, der 1889 erschien und bis 1917 40 deutschsprachige Auflagen erlebte und in mehr als 15 Sprachen übersetzt wurde. 1905 bekam sie dafür den Friedensnobelpreis. Ich sende euch einen kurzen Auszug aus dem Roman, in dem eine aus Wien stammende Gräfin Martha Althaus über ihre Erfahrungen in vier Kriegen erzählt, die sich in ihrem Leben zugetragen haben: Sie verlor zwei Ehemänner im Verlauf der Kriege Österreich Italien 1859, Dänemark Deutschland 1864 und Deutschland Österreich 1866 bzw. Im deutschfranzösischen Krieg 1870.
Sie schreibt im Epilog zu diesem Roman
»Der bewaffnete Friede ist keine Wohlthat … und nicht lange soll uns der Krieg verhütet bleiben, sondern immer. Wenn man sich auf die Meerfahrt macht, soll die Zusicherung nicht genügen, daß recht lange das Schiff an keiner Klippe zerschelle. Daß die ganze Fahrt glücklich überstanden werde, darnach wird der ehrliche Kapitän trachten.«
Doktor Bresser, noch immer unser bester Hausfreund, kam mir zu Hilfe:
»In der That, Excellenz, können Sie an den ehrlichen, aufrichtigen Friedenswillen Jener glauben, die mit Leidenschaft, mit Begeisterung – Soldaten sind? Die Alles, was den Krieg gefährdet – nämlich Abrüstung, Staatenbund, Schiedsgericht – nicht nennen hören wollen? Könnte denn die Freude an Arsenalen und Festungen und Manövern und dergleichen bestehen, wenn diese Dinge wirklich nur als das betrachtet würden, wofür man sie ausgibt: als Vogelscheuchen? Also, damit man sie niemals brauche, der ganze Kostenaufwand ihrer Herstellung! Die Völker müssen ihr ganzes Geld hergeben, um an den Grenzen Befestigungen zu machen, in der Absicht, sich über die Grenzen hin Kußhändchen zuzuwerfen? Zu einer bloßen Friedens-Aufrechterhaltungs-Gendarmerie läßt sich das Militär nicht herabdrücken – der oberste Kriegsherr wird doch nicht einem Heer von ewigen Kriegsvermeidern vorstehen sollen? Hinter dieser Maske – der »si vis pacem«-Maske – blinzeln die einverständlichen Blicke, und die jedes Kriegsbudget bewilligenden Abgeordneten blinzeln mit.«
»Verzeihen Sie, Excellenz, diesen einhelligen Stimmabgebern wollte ich einem nach dem andern zurufen: Dein Ja wird jener Mutter ihr einziges Kind rauben; – deines bohrt jenem armen Wicht die Augen aus; – deines schießt eine unersetzliche Bücherei in Brand; – deines zerstampft das Hirn eines Dichters, der deines Landes Ruhm gewesen wäre … Aber ihr habt dieses »Ja« votiert, um nur ja nicht feige zu scheinen – als ob man gerade nur für sich die Assentierung fürchten müßte. – Seid ihr denn nicht da, um des Volkes Willen zur Geltung zu bringen? Und das Volk will die produktive Arbeit, will die Entlastung, will den Frieden …«
(…)
»Man bereite einen Rechtszustand vor, der den Eintritt des ›Ernstfalles‹ unmöglich mache. Denn was dieser Fall sein wird, Herr Oberst, von dem kann heutzutage kein Mensch einen klaren Begriff fassen. Bei der Furchtbarkeit der gegenwärtig erreichten und noch immer steigenden Waffentechnik, bei der Massenhaftigkeit der Streitkräfte wird der nächste Krieg wahrlich kein ›ernster‹, sondern ein – es gibt gar kein Wort dafür – ein Riesenjammer-Fall sein … Hilfe und Verpflegung unmöglich … Die Sanitätsvorkehrungen und Proviantvorkehrungen werden den Anforderungen gegenüber als die reine Ironie sich erweisen; der nächste Krieg, von welchem die Leute so geläufig und gleichmütig reden, der wird nicht Gewinn für die Einen und Verlust für die Anderen bedeuten, sondern Untergang für Alle.

