Wirtschaftsethische Überlegungen zur Übernahme von Iveco durch den Rüstungskonzern Leonardo

Man mag mir angesichts der allgemeinen „Kriegsertüchtigung“, welche als alternativlos dargestellt wird, Blauäugigkeit vorwerfen. Dieser Friedensblog erlaubt es mir, meine pazifistische Grundhaltung in einem kurzen Zwischenruf zu äußern.

Der italienische Rüstungskonzern Leonardo hat nach Meldung von Südtirol NEWS die Militärsparte von Iveco für 1,6 Milliarden Euro übernommen. Damit gehört auch das Werk Iveco Defence Vehicles (IDV) in Bozen nun zum Leonardo-Konzern. Der Deal war bereits im Sommer 2025 vereinbart worden und ist jetzt abgeschlossen. Die Produktion in Bozen laufe derzeit auf Hochtouren. Mit der Übernahme stärkt der Konzern seine Position in der europäischen Rüstungsindustrie. Bei den Gewerkschaften herrsche vorsichtiger Optimismus, so Südtirol NEWS.

Ich teile die Freude über die Übernahme von Iveco in Bozen durch den mächtigen Rüstungskonzern Leonardo nicht.

»Das Normative steckt immer schon im ökonomischen Denken. Dieses selbst ist daher kritisch auszuleuchten und in den Kontext der Fragen des guten Lebens und des gerechten Zusammenlebens zu stellen.« Dies schreibt der bekannte St. Galler Wirtschaftsethiker Hans-Peter Ulrich. Es geht also um die Frage des Sinns von Wirtschaften und dabei um die zentralen Fragen des positiven Friedens im Sinne von Johan Galtung (vgl. Beitrag auf diesem Blog).

Rüstungsgüter sind keine Waren wie andere. Sie sind Ausdruck grundlegender Sicherheitsprobleme. Aufgrund ihrer teils enormen Zerstörungsgewalt sind sie hochgradig legitimationsbedürftig und erfordern daher eine besondere Kontrolle. So sind diese hoch ambivalenten Mittel ein moralisches Übel, an das man sich nicht gewöhnen darf, sondern auf dessen Verringerung hingewirkt werden muss, so die Deutsche Bischofskonferenz 2024. Waffen töten. Sie sind keine „normalen Handelsgüter“ und dürfen es im Bewusstsein der Menschen und im wirtschaftlichen Alltag auch nicht werden, so pax christi.

„Aber da werden doch sichere Arbeitsplätze geschaffen und die Südtiroler Volkswirtschaft wird davon profitieren“! Wollen wir aber wirklich Arbeit um jeden Preis?

Arbeit ist ein zentraler Aspekt der Identitätsbildung, der weit über Einkommenssicherung hinausgeht. 500 Jahre hat es gedauert, bis Arbeit zum Bestandteil der Identitätsbildung der Menschen wurde, zu einem Persönlichkeitsanteil, um den herum sich Selbstwertgefühle und soziale Anerkennung organisieren. Eine starke berufliche Identität verbindet persönliche Werte mit der Arbeitsrolle, fördert Selbstwertgefühl und beeinflusst, wie man sich im sozialen Kontext wahrnimmt.

Sind meine persönlichen Werte mit meiner Arbeitsrolle in der Produktion von Rüstungsgütern vereinbar wohl wissend, welche Funktion sie haben? Waffen werden in der ökonomischen Theorie und der Ordnungspolitik als klassisches Beispiel für demeritorische Güter eingestuft. Dies bedeutet, dass sie aus gesellschaftlicher Sicht unerwünscht sind oder deren Produktion, Konsum und Besitz als potenziell schädlich angesehen wird. Militärische Investitionen sind deshalb tote bzw. sterile Investitionen, die für die Gesellschaft keinen Mehrwert darstellen. Wir wissen auch, dass diese Mittel wesentlichen Bereichen der Gesellschaft entzogen werden, Bildung, Gesundheit, Soziales, Kultur, Erhaltung der Lebensgrundlagen, also den lebensdienlichen Bereichen.

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