“Dulce et decorum est pro patria mori”

Maximilian Vinatzer, Ferdinand Demetz und Karl Fischnaller, drei Schüler des Vinzentinums in Brixen, haben sich über dieses Zitat des römischen Dichters Horaz Gedanken gemacht und in der Rubrik „Auf ein Wort“ im RAI-Sender Südtirol am 3. Juli folgenden Text verlesen lassen:

„Es ist süß und ehrenvoll, für das Vaterland zu sterben.” Welch provokanter Satz! Der römische Dichter Horaz schrieb diese Zeilen, um die Jugend seiner Zeit zur Tapferkeit und Nachahmung der kriegerischen Tugenden der Vorfahren zu ermutigen. Der Tod für das Vaterland gehörte in der Antike und weit darüber hinaus zu den höchsten ehrenhaften Handlungen. Auch in den beiden Weltkriegen wurde dieses Motto zu propagandistischen Zwecken genutzt, um junge Männer zum Soldatendienst zu motivieren, den Krieg zu romantisieren und das Sterben im Krieg als heroischen Akt zu verklären. Der britische Dichter Wilfried Owen verfasste 1917 während des ersten Weltkrieges ein Gedicht mit eben diesem Horaz´schen Zitat als Titel. Darin beschreibt er einen Gasangriff und den dadurch verursachten qualvollen Tod eines unbekannten Soldaten und schließt ganz sarkastisch mit dem Satz: Die alte Lüge: Süß und ehrenvoll.

Obwohl der Vers nach den beiden Weltkriegen an überzeugender Kraft verloren und entrüstete Ablehnung hervorgerufen hat, gewinnt er heutzutage leider wieder an Aktualität. Menschen, die im Krieg sterben, werden als Helden angesehen, als Märtyrer verehrt; viele Menschen streben diesen „süßen und ehrenvollen Tod“ geradezu an, getrieben von religiösem Fanatismus oder exzessivem Nationalismus, obwohl der tägliche Blick in die Zeitungen, die verstörenden Nachrichten aus den unzähligen Kriegsgebieten auf unserem Planeten und die offen zur Schau gestellten Kriegsgräuel und Grausamkeiten jeglichen Gedanken an „süß und ehrenvoll“ vertreiben müssten.

Wir befinden uns mittlerweile im 21. Jahrhundert und müssen feststellen, dass der Mensch im Laufe der Geschichte nicht gelernt hat, um wie viel besser ein ehrenvolles Leben für das Vaterland wäre anstelle eines süßen und ehrenvollen Todes, denn das Getötet-Werden ist immer noch ein unehrenvoller, unmenschlicher Akt.

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