„Il razzismo è una brutta storia”

Wie äußert sich Rassismus heute in Italien? 

Wie wird er von der Politik instrumentalisiert? 

Gibt es bereits Antworten und Perspektiven?

Diesen Fragen ist der von der Fondazione Giangiacomo Feltrinelli geförderte Initiative „Il Razzismo è una brutta storia – https://razzismobruttastoria.net“ nachgegangen. Der Verein ist aus einer gleichnamigen Kampagne hervorgegangen, die sich vor achtzehn Jahren in den Feltrinelli-Buchhandlungen gebildet hatte, um an die Ermordung des 19-jährigen Abdoul Guibre, bekannt als Abba, in Mailand vor dem Hintergrund rassistischer Beleidigungen zu erinnern.

Bei der Vorstellung des Berichts musste der Verleger Carlo Feltrinelli, Vorsitzender des Vereins, feststellen, dass sich die Situation heute offensichtlich verschlechtert hat. Daher will der Verein durch seine kulturelle Tätigkeit „… den Rassismus aus der von der Politik instrumentalisierten Debatte herausnehmen und ihn wieder ins Bewusstsein der Menschen rücken, indem wir Begegnung, Zuhören, Anerkennung und Zusammenhalt für eine bessere Gesellschaft schaffen. Die Herausforderung besteht weiterhin darin, zu sensibilisieren, die Welt der Vereine zu unterstützen und den Austausch über die Themen sowie mögliche Antworten zu fördern…“.

Der erste Jahresbericht des Vereins nennt sich „Ricomporre le fratture“ und enthält Beiträge von Forschern, Aktivisten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Fachleuten aus dem Bereich. Er bietet eine differenzierte Betrachtung des Phänomens und vereint Daten, Analysen, Erfahrungsberichte und Zukunftsperspektiven. 

Ausgangspunkt sind die wichtigsten Ereignisse aus der „Mappa dell’Intolleranza“, die seit nunmehr neun Jahren vom „Osservatorio Italiano sui Diritti –  https://www.voxdiritti.it“ periodisch veröffentlicht wird und die im Jahr 2025 Spitzenwerte der Fremdenfeindlichkeit im Internet aufweist.

Vier besonders schwerwiegende Ereignisse werden im Bericht in Form von Erfahrungsberichten näher beleuchtet und mit tiefer liegenden, strukturellen Phänomenen in Verbindung gebracht: wirtschaftliche Ungleichheiten, Diskriminierung beim Zugang zu Rechten, Segregation im Bildungswesen, Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt und verzerrte Darstellungen im öffentlichen Raum.

Die neuesten verfügbaren Forschungsergebnisse zeigen, dass systemische Hindernisse die im Artikel 3 der Verfassung verankerte substanzielle Gleichheit für Menschen mit Migrationshintergrund einschränken. 

In wirtschaftlicher Hinsicht zeigen die Daten, dass die Quote der absoluten Armut bei Haushalten mit mindestens einem ausländischen Mitglied auf 30,4 % steigt (und bei rein ausländischen Haushalten auf 35,2 %), gegenüber 6,2 % bei italienischen Haushalten. 

Auf dem Wohnungsmarkt geben sogar zwei von drei Personen (66,7 %) an, dass ihnen aufgrund ihrer Herkunft eine Mietwohnung verweigert wurde; im Arbeitsleben hat fast jede zweite Person (46,6 %) ohne Arbeitsvertrag gearbeitet, und ein Drittel (33,3 %) übt Tätigkeiten aus, die unter ihrem Qualifikationsniveau liegen. 

Die Ungleichheiten spiegeln sich auch in der Schule wider – wo 26,4 % der ausländischen Schüler einen schulischen Rückstand aufweisen, gegenüber 7,9 % der italienischen Schüler –, in den Medien, wo Migranten und Flüchtlinge unterrepräsentiert sind, sowie im Bereich der psychischen Gesundheit: Wer rassistischer Diskriminierung ausgesetzt ist, hat ein um 77 % höheres Risiko, psychotische Symptome zu entwickeln.

Der Bericht widmet viel Raum den Lösungsansätzen und stellt bemerkenswerte Erfahrungen aus ganz Italien vor. Das Forschungsteam hat Dutzende antirassistischer Praktiken gesammelt und analysiert: Initiativen, die in den Bereichen Arbeit, Schule, Kultur, Medien, Sport, Gesundheit und Rechtsschutz ansetzen und zeigen, wie Inklusion, Teilhabe und sozialer Zusammenhalt ausgehend von den lokalen Gemeinschaften aufgebaut werden können.

Angesichts des Aufstiegs der extremen Rechten und der Propaganda zur „Remigrazione“ bietet der Bericht, auch Überlegungen und Zukunftsperspektiven von Menschen, die sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigen. 

Gad Lerner beschreibt im Vorwort die aktuelle Situation als eine Phase der „Normalisierung der Verachtung“, verbindet sie mit dem Thema des „Kriegs gegen die Schwächsten“ und hofft, dass der Antirassismus Vereinfachungen ablehnt und die Politik Antworten entwickelt. 

Für Espérance Hakuzwimana und Grace Fainelli (https://narrazionicontaminate.it/) geht der Wandel in erster Linie über eine Schule, die in der Lage ist, die Vielfalt wertzuschätzen, während für Giulia Vicini und Nicola Datena vom Verein ASGI (Associazione Studi Giuridici sull’immigrazione – https://www.asgi.it/) die Herausforderung darin besteht, den institutionellen Rassismus zu überwinden, der sich in der Migrationspolitik manifestiert, und die Hoffnung aus der Perspektive einer neuen kollektiven Organisation auch im „Dritten Sektor“ erwächst. https://razzismobruttastoria.net/il-primo-rapporto-annuale-di-razzismo-brutta-storia-ricomporre-le-fratture/

(Dr. Oscar Kiesswetter – Kaltern)

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