Frieden mit der Natur
Ein persönlicher Impuls aus Südtirol
Im Jahr 2025 war ich zum ersten Mal in Südtirol – einer Region, die ich immer mit Schönheit, Vielfalt und lebendiger Kulturlandschaft verbunden habe. Doch was ich dort sah, hat mich nachhaltig nachdenklich gestimmt.
Die Landschaft, die einst geprägt war von Streuobstwiesen, kleinteiligen Feldern und einem harmonischen Miteinander von Mensch und Natur, ist vielerorts einem hochoptimierten Agrarsystem gewichen. Der Apfelanbau – Symbol für Fruchtbarkeit und Genuss – erscheint dort heute oft wie ein technisches Projekt: Sortenzüchtung nach äußeren Merkmalen, intensive Düngung und Bewässerung, dutzende Spritzungen mit chemischem Pflanzenschutz – und das Resultat sind perfekt aussehende Früchte, denen der Geschmack und die Lebendigkeit fehlen.
Ich sprach mit einem Landwirt, dessen Gesicht von Hautentzündungen gezeichnet war. Er berichtete offen über den Druck, in diesem System zu bestehen – aus wirtschaftlichen Zwängen, familiären Erwartungen und dem stillen Zwang der Konformität. Er sagte: „Man kommt da nicht raus.“
Es fühlte sich an wie ein stiller Krieg – ein Krieg gegen die Natur. Und ich frage mich:
Wie sollen wir Frieden untereinander finden, wenn wir mit unserem Konsumverhalten, unserem Desinteresse und dem Mangel an Initiative für gesunde Lebensgrundlagen diesen Krieg tagtäglich mitführen?
Wenn Pflanzen so krank sind, dass sie über 30 Mal im Jahr „geschützt“ werden müssen – was sagt das über den Zustand der Böden, der Luft, des Wassers, der ganzen Mitwelt aus?
Ich wünsche uns allen, dass wir diesen inneren Frieden wiederentdecken. Dass wir uns erinnern, worauf es wirklich ankommt: gesunde Böden, lebendige Kreisläufe, ein liebevoller Umgang mit dem, was uns nährt – außen wie innen.
Denn Frieden beginnt in uns selbst.
Gesundheit basiert auf einem symbiontischen Milieu des Friedens im Miteinander – zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen, Böden, Wasser und Luft.
Die Geschichte der Menschheit zeigt: Wo Böden gesund sind, gedeihen auch friedliche Kulturen. Und indigene Völker wie die Kogi erinnern uns: Alles ist mit allem verbunden. Alles muss gehütet werden.
Ich schreibe das nicht, um anzuklagen. Sondern um anzuregen, hinzuhören – nach innen.
Wir sind nicht auf diese Erde gekommen, um sie kränker zu machen.
Wir sind Teil der Natur. Es ist Zeit, dass wir uns wieder an unsere Rolle erinnern. In Symbiose. Im Miteinander. Im Frieden.
Franz Rösl – Regensburg
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