Ein anderer Fußball ist möglich

Vorweg: ich bin kein Fußballfan, aber als Expertin für Community Development weiß ich um die wichtige Funktion des Fußballs als Quelle der Begeisterung, Mittel der Völkerverständigung und des Sozialen Kapitals, also des Zusammenhalts der Gesellschaft.

Seit Jahren beobachte ich eine deutsche Mannschaft, die explizit eine Philosophie des Fußballs als Akteur der sozialen Solidarität und Integration vertritt: Der Hamburger FC St. Pauli basiert auf dem Leitsatz „Mehr als ein Fußballverein“. St: Pauli ist eine Genossenschaft! Mit der Football Cooperative St. Pauli von 2024 eG liefert sie den Gegenentwurf zur Macht der Großinvestor*innen und zum Ausverkauf des Fußballs. Die Football Cooperative St. Pauli von 2024 eG ist basisorientiert, demokratisch, nachhaltig und krisenfest. Ein anderer Fußball und eine andere Finanzierung sind also möglich! St. Paulis Philosophie verbindet eine antifaschistische, antirassistische und soziale Grundhaltung mit einer linken Fankultur vom Hamburger Kiez. Im Profifußball versteht sich der Club als eine Wertegemeinschaft, die Toleranz, Vielfalt und gesellschaftliche Verantwortung in den Vordergrund stellt.

Nun hat nicht nur die FIFA, sondern auch der FC St. Pauli erstmals einen „Peace Prize“ verliehen. Mit der Auszeichnung würdigt der Verein Menschen und Initiativen, die sich aktiv für Solidarität, Teilhabe und ein respektvolles Miteinander einsetzen – und setzt damit bewusst ein Zeichen in einer Zeit, in der demokratische und zivilgesellschaftliche Strukturen zunehmend unter Druck geraten.

Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in den USA, in denen autoritäre Tendenzen und gezielte Einschränkungen von Rechten und Freiheiten zu beobachten sind, will der FC St. Pauli diejenigen unterstützen, die sich vor Ort für eine offene Gesellschaft engagieren. Der Peace Prize richtet den Fokus deshalb auf lokale Akteur*innen, die konkrete Hilfe leisten, Gemeinschaft stärken und sich gegen Ausgrenzung stellen. Er ist auch ein bewusster Gegenentwurf zu Entwicklungen im internationalen Fußball, in denen politische Instrumentalisierung zunehmend sichtbar wird.

So hatte die FIFA zuletzt einen „Peace Prize“ an Donald Trump verliehen – ein Schritt, der den Fußball für politische Symbolik vereinnahmt hat. Der FC St. Pauli setzt dem einen anderen Ansatz entgegen: Im Mittelpunkt stehen Menschen, die im Alltag Verantwortung übernehmen und demokratische Teilhabe konkret stärken. Erster Preisträger ist Wes Burdine, Betreiber der Bar „Black Hart of St. Paul“ in Minnesota. Seine Bar ist weit mehr als ein Treffpunkt für Fußballfans: Sie ist ein inklusiver Raum für die queere Community und ein Ort gelebter Solidarität. In den vergangenen Monaten hat Burdine mit seinem Netzwerk unter anderem Unterstützung für Menschen organisiert, die von gezielten Einwanderungsmaßnahmen betroffen waren. Mit der Auszeichnung verbunden ist auch eine Spende an eine von ihm ausgewählte Initiative welche dringend benötigte Güter für Menschen in schwierigen Lebenslagen bereit stellt. Preisträger Wes Burdine sagt: „Diese Auszeichnung bedeutet mir und diesem Ort sehr viel. Unsere Aufgabe ist es, Gemeinschaft zu schaffen und Menschen zusammenzubringen. (…). In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie unsere Nachbarschaften unter Druck geraten sind. Viele unserer migrantischen Nachbar*innen hatten Angst, ihre Häuser zu verlassen. Wir glauben, dass Fußball ein Weg ist, Emotionen zu teilen und daraus Verantwortung für unsere Communities abzuleiten.“ Zugleich verweist er auf die besondere Rolle des FC St. Pauli: „St. Pauli ist ein anderer Club. Ein Club, der für eine andere Form von Fußball steht – eine, an der sich Fans weltweit orientieren können. Was wir an St. Pauli schätzen, ist diese Klarheit: Haltung zeigen, ohne sich zu verlieren – und sich bewusst für die Menschen einsetzen, die Unterstützung brauchen.“

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