„Überlebende des zweiten Weltkriegs wie ich wissen, dass für Frauen der Krieg nicht mit dem Waffenstillstand aufhört. Für die Witwen mit ihren Kindern dauert er ein Leben lang.“
Aus Irmtrauds Schreiben an Andreas Bracher (*)
„Es ist merkwürdig und erschreckend, mit welcher Passivität, Gleichgültigkeit oder Zustimmung viele Menschen das Szenario (Krieg mit Russland in Europa) hinnehmen“ – schreiben Sie in Ihrem Beitrag im Juli/August Magazin der „die Drei“. Ich gebe Ihnen in allem recht, froh, dass jemand so klar formuliert was viele empfinden und davon krank werden, so auch ich.
Wegen eines Herzinfarktes wurde mir von der Krankenkasse eine dreiwöchige REHA zugestanden. Die Herz-REHA in die ich mit meinem Mann als Begleiter einzog, 230 Betten machte auf mich den Eindruck eines Lazaretts. Fast alle Patienten hatten Operationen hinter sich, Narben von aufgesägten Brustbeinen, Pflaster an Armen, Hals und Beinen.
Bei den Begegnungen, die ich am Frühstücks- oder Mittagstisch hatte, stellte ich immer klar, dass mein Herzrasen und die Herz-Rythmusstörung mit der militärischen Aufrüstung in Deutschland/Europa zu tun hat. Überlebende des zweiten Weltkriegs wie ich wissen, dass für Frauen der Krieg nicht mit dem Waffenstillstand aufhört. Für die Witwen mit ihren Kindern dauert er ein Leben lang. Daher mein Einsatz für friedliches Zusammenleben im vom ethnischen Konflikt gestressten Südtirol und gegen die Nato-Basis bei Brixen, die zum Glück aufgelöst wurde. Ich fürchte mich nicht vor Bomben. Ich habe Angst nicht genug zur Vermeidung getan zu haben. Ich fand bei den Mitpatienten Aufhorchen und Zustimmung.
Es wäre das Normalste von der Welt gewesen, dass eine Liste erstellt wird, unterschrieben von denen, die bereit sind, die deutsche Regierung (oder Ursula von der Leyen…) anzuklagen auf
Körperverletzung
oftmals mit Todesfolge
durch den Aufrüstungswahn, der Deutschland zum Schlachtfeld machen wird. Je mehr Deutschland zum „Flugzeugträger“ für andere Staaten (wie kürzlich die Transportflugzeuge aus der Ukraine auf dem Flugplatz in Leipzig) wird, wird es Angriffsziel. In diesem Krieg werden nicht die Länder siegen, die die neuesten und meisten Waffenarsenale haben, sondern die die keine haben.
Irmtraud Mair
ist wohl noch vielen als die Vorkämpferin der Friedensfrauen in Südtirol bekannt.
Sie hat ein bewegtes Leben hinter sich und lebt heute in Dortmund.
(*) „die Drei“ – Zeitschrift für Anthroposophie

