80 Jahre nach dem Pariser Friedensvertrag

Am vergangenen Donnerstag, 3. September, hat das Zentrum für Regionalgeschichte in Bozen eine gute Veranstaltung mit ausgezeichneten Referenten organisiert. Es war eine fundierte historische Bestandsaufnahme des Gruber-Degasperi-Abkommens vom 5. September 1946.

Am 80. Gedenktag selbst, also am 5. September, organisierte der Landeshauptmann einen großen Festakt im Kurhaus in Meran mit einer besonderen Ehrung des italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella und des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen.

Der Pariser Vertrag vom 05.09.1946 war ein schlechter Kompromiss zwischen zwei sehr ungleichen Partnern, zwischen dem italienischen Außenminister Alcide Degasperi und dem österreichischen Amtskollegen Karl Gruber. 

Als Anmerkung zu diesem mageren Ergebnis der Verhandlungen von Paris möchte ich Cicero zitieren: „Der ungerechteste Frieden ist immer noch besser als der gerechteste Krieg“. Dieses Zitat stammt wirklich von Cicero, nicht jedoch der dumme und oft zitierte Ausspruch: „Si vis pacem para bellum.“ (Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor.)

Nach der Studientagung in Bozen und nach der Feierstunde „80 Jahre Pariser Vertrag“ in Meran ist mir eines sehr klar geworden: Diplomatie führt zum Erfolg, nicht militärische Stärke. Durch zähe und lange Verhandlungen wurde dieser ursprünglich gar nicht zufriedenstellende Vertrag zur Magna Charta für Südtirol und zur Grundlage für den Ausbau und die Absicherung der Südtiroler Autonomie.

Hätten die benachteiligten Südtiroler nach 1946 nur das getan, was Attentäter Anfang der 1960er Jahre unternommen haben, wären wir ganz sicher nicht dort, wo wir heute sind. Heute ist die Südtirol-Autonomie aufgrund von langen und zähen Verhandlungen ein Vorzeige-Modell für ein friedliches und prosperierendes Land.

Noch eine Anekdote von Silvius Magnago, dem Vater der Südtirol-Autonomie:

Ich erinnere mich noch gut an eine Sitzung des Ausschusses der SVP in den 1980er Jahren, als einer der Parteiausschussmitglieder den Obmann Silvius Magnago scharf kritisierte. Es bräuchte eine viel härtere Gangart. Mit den Italienern zu verhandeln, das sei nicht zielführend. Der Kriegsinvalide Magnago erwiderte in seiner saloppen Art in besonders hoher Stimmlage und stellte die rhetorische Gegenfrage, ob Südtirol Italien den Krieg erklären solle. Kurz und pointiert sagte Magnago: „Da müssen Sie aber zuerst drei Fragen mit Ja beantworten: 1. Wollen wir einen Krieg? 2. Gewinnen wir den Krieg? Und 3: „Überleben wir den Krieg?“

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