Es gibt keine Weihnacht, außer man lebt sie…
(frei nach Erich Kästner)
Eine fast unglaubliche Geschichte aus vergangenen Zeiten: In der Weihnachtsnacht 1914 setzten britische, deutsche und französische Soldaten die Feindseligkeiten aus und verbrüderten sich mit dem Feind. Eine grobe Verweigerung des Gehorsams, für die viele ihr Leben riskierten. Ein ziviler Ungehorsam, an dem tausende Soldaten auf beiden Seiten der Front beteiligt waren.
Eine Geschichte, die immer noch zum tieferen Nachdenken bringt und beispielhaft sein könnte, für viele Kriegsschauplätze auf dieser Welt. „Nein!“ sagen, wo immer dies möglich ist. Ein „Nein!“ zum Töten und ein „Ja!“ zum Leben. Im Erkennen dessen, was Albert Schweizer treffend in einem Satz gebündelt hat: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will!“. Ehrfurcht vor dem Leben. Das eigene, das der anderen um uns, seien es Menschen, Tiere oder andere Lebewesen.
Weihnachten ist für mich ein Fest des Friedens, das nur dann seinen wahren Sinn erhält, wenn es in dieser inneren Haltung gelebt wird. Ansonsten bleibt es ein Kalendertag wie jeder andere, lediglich mit einem Mehr an äußerem Trubel.
Es geht mir in diesen Zeilen nicht darum, all die heuchlerischen Fassaden der Weihnachtsinszenierung zu kritisieren. Wer achtsam ist, hat diese Spiele längst durchschaut; dass Weihnacht selbst, zwischen Rhetorik und Konsum, zu einer Wurzel der Entfremdung vom Wesentlichen und damit letztlich auch zu einer Wurzel des Krieges wird. Der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh hat dazu treffend gesagt: „Die Wurzeln des Krieges lassen sich bereits in unserem unbewussten Lebensstil finden. Wenn wir keinen Frieden in uns selbst finden, können wir nichts für den Frieden tun“.


