Kein dogmatischer Pazifismus
Gerade lese ich das ausgezeichnete Buch von Heribert Prantl: „Den Frieden gewinnen – Die Gewalt verlernen.“ Lehrreich finde ich dort die Auseinandersetzung rund um den Pazifismus bei Jesus von Nazareth, zwischen Mahatma Gandhi und Martin Buber sowie die Ideen von Martin Luther King.
Die radikale Form des dogmatischen Pazifismus lehnt Heribert Prantl ab. Der Satz Jesu sei sehr schwer nachvollziehbar: „Wenn jemand dich auf die eine Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“
Dieser Ausspruch ist ein Aufruf zu gewaltlosem, kreativem Widerstand gegen Ungerechtigkeit. Er bedeutet nicht blinde Unterwerfung, sondern das Durchbrechen der Spirale von Gewalt und Gegengewalt.
Pazifist heißt wörtlich Friedensmacher. Pazifist ist ein Mensch, der Frieden stiftet. Und dieser wird in der Bergpredigt seliggepriesen, nicht der Friedfertige, der Gewalt geduldig und schicksalshaft hinnimmt.
Einen Satz von Heribert Prantl möchte ich hervorheben:
„Es ist unbedingt wichtig, daran zu erinnern, dass Großmächte in der Regel nicht auf dem Schlachtfeld zu bezwingen sind und Nuklearmächte nicht kapitulieren.“
Wenn wir als Friedensblogger für den Frieden kämpfen, dann verlangen wir keinen dogmatischen Pazifismus, sondern Vernunft. Wir verlangen im Konfliktfall das kleinere Übel. Gewaltloser Widerstand kann sicher auch einen hohen Blutzoll fordern, viel schlimmer sind aber die Folgen von Gewaltbereitschaft und Aufrüstung. Die Forderung nach „Kriegstauglichkeit“ geht sicher in die falsche Richtung.
„Si vis pacem, para bellum“, das ist ein lateinisches Sprichwort („Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor“). Es besagt, dass eine starke Verteidigung und militärische Stärke potenzielle Angreifer abschrecken und somit den Frieden sichern. Der Satz stammt, wie ich über KI draufgekommen bin, vom römischen Militärschriftsteller Vegetius (4.- 5. Jahrhundert n. Chr.) und nicht von Cicero, wie oft behauptet wird.
Bald nach Vegetius kam keine Friedensepoche, sondern es kam der Untergang des Weströmische Reichs.
Cicero hat in einem Brief an Atticum folgendes geschrieben: „Ich mahne unablässig zum Frieden; dieser, auch ein ungerechter, ist besser als der gerechteste Krieg.“
Conclusio:
Politik und Diplomatie braucht es, keine Konfliktlösungen mit militärischer Macht! Im Sinne von Immanuel Kant regiert derzeit nicht die Vernunft, sondern selbstverschuldete Unmündigkeit. Dessen Schrift „Zum ewigen Frieden“ von 1795 wäre aktueller denn je.
Sepp Kusstatscher

