Der Mensch ist nie unser Feind
Während des Vietnamkrieges rief Tich Nhat Hanh eine Bewegung junger Buddhisten ins Leben, die zwischen den Kommunisten, Anti-Amerikanern und Pro-Amerikanern vermitteln sollten. Er gab ihnen eine „Empfehlung“ mit auf den Weg in die Schlachtfelder, die so anfing:
Versprich mir, versprich mir heute, während die Sonne hoch am Himmel steht,
wenn sie Dich zu Boden schmettern mit einem Berg von Hass und Gewalt,
nicht zu vergessen, Bruder!
Der Mensch ist nie unser Feind. Das Einzige, was Deiner gerecht ist (oder Deiner würdig),
ist Mitleid – unbezwinglich, grenzenlos, bedingungslos.
Der Hass wird Dir nie helfen, der Bestie im Menschen zu widerstehen…
Als ich im Buch „Esoterik der Weltreligionen“, (Hrsg. von Virginia Sease) diese Empfehlung las, traf sie mich ins Herz, denn mich zwischen die Fronten zu stellen war immer mein Anliegen, und – ich glaube herausgefunden zu haben, welcher Geist es ist, der von Menschen, ja ganzen Volksgruppen Besitz ergreift und auch harmlose Menschen zu Feinden macht.
Am Ende des 1. Weltkrieges wurde vom Präsidenten der siegreichen USA der Völkerbund gegründet und den 14 Punkten das Menschenrecht auf Selbstbestimmung der Völker , Selfdetermination of Nations angehängt. Im Oberschlesienkonflikt kam dieses sogenannte Menschenrecht zum ersten Mal zur Anwendung mit verheerenden Folgen. Im Buch „Koberwitz 1924“ Geburtsstunde einer neuen (biodynamischen) Landwirtschaft steht:
„Der Völkerbund beschloss, entgegen dem Abstimmungsergebnis vom 20.März, 30% der strittigen Fläche mit 80% des Industriegebietes Oberschlesiens den Polen abzugeben. Auch dadurch wurde der Grund für einen neuen Krieg gelegt, der dann nach dem fingierten Überfall auf den Sender Gleiwitz 1939 von Hitler ausgelöst wurde.
Rudolf Steiner hatte immer wieder vor der Abstimmung gewarnt: man soll die Abstimmung verweigern und versuchen, nach den Gesetzen der „Dreigliederung des sozialen Organismus“ ein selbstständiges Gebiet bilden mit kulturell-geistiger Freiheit, Gleichheit innerhalb der staatlichen Grenzen und brüderliches (assoziatives) Wirtschaften“.
Das sollten jetzt die ostukrainischen Provinzen verlangen.



