Taugt Gartenarbeit als Faschismusprävention?

Es mag auf den ersten Blick absonderlich klingen, die Arbeit im Garten mit dem 25. April in Verbindung zu bringen; mit jenem Tag, an dem der antifaschistische Widerstand gefeiert wird.

Aber: Ist der Gedanke wirklich so abwegig?

Autoritäre Geister breiten sich da aus, wo Menschen das Gefühl haben, nichts bewirken zu können – wo Ohnmacht, Entfremdung und Vereinzelung den Alltag bestimmen. Gemeinschaftsgärten, Reparaturcafès und Offene Werkstätten setzen dem etwas Handfestes entgegen: die tägliche Erfahrung, dass Menschen gemeinsam gestalten können. Wäre es zu kurz gegriffen, wenn wir behaupten, dass in den Praxen auch eine Art Faschismusprävention liegt?“ Zu dieser Fragestellung veranstaltet die Universität Jena im April eine Tagung. Auf die Einsichten, die sich aus dieser Tagung ergeben, bin ich gespannt.

Es sind unsichere und turbulente Zeiten, in denen wir in der Gegenwart leben. Zwar hat sich Ähnliches in der Geschichte der Menschheit schon häufig abgespielt. Ungewohnt ist es aber heute für uns, wenn wir auf die relative „Ruhe“ in den Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg zurückblicken.

Auf die radikalen Corona-Turbulenzen, die unsere Gesellschaft erschüttert haben, sind die Kriege gefolgt; in Europa und anderswo.

Ohnmacht und Entfremdung machen sich breit. Ein Zustand des Chaos, aus dem sich Vieles in unterschiedliche Richtungen entwickeln kann; alte Strukturen sind zerfallen, die gewohnte Ordnung existiert nicht mehr. Diese Zeiten des Umbruchs erzeugen Angst; können aber auch die Voraussetzungen für eine Erneuerung schaffen. „In der Mitte des Chaos liegt auch die Möglichkeit“, hat es der chinesische Stratege Sun Tzu benannt, und ähnlich hat es Albert Einstein formuliert: „Inmitten jeder Krise liegt eine große Chance“.

Das bedrückende Szenarium: Angst schürt Faschismus:

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch(*)Bertolt Brecht hat davor gewarnt, dass der Faschismus nicht automatisch mit dem Ende eines Regimes verschwindet. Wenn am 25. April das Ende der faschistischen Diktatur gefeiert wird, vergisst man allzu oft, dass der Boden für faschistoide Entwicklungen nach wie vor fruchtbar ist. Im Kleinen wie im Großen. In der „großen Politik“, wie sie etwa in manchen Entscheidungen der EU-Kommission zum Ausdruck kommt, wie auch im „Kleinen“: in der Ausgrenzung von Andersdenkenden, der Intoleranz anderen Meinungen gegenüber, dem Aufbauschen von Feindbildern.

Faschistoides Verhalten ist unabhängig von politischen Ideologien, keine Frage von rechts oder links. Es entspricht einer autoritären Mentalität, geprägt von einem Absolutheitsanspruch, der Andersdenkende als moralisch böse und als „Feind“ abwertet.

Militarisierung und Aufrüstung und faschistoide Kultur bedingen sich gegenseitig. Um die Akzeptanz für Aufrüstung konsensfähig zu machen, müssen militärische Werte die Gesellschaft durchdringen, etwa die Akzeptanz von Gewalt als politisches Mittel, die Dämonisierung von inneren und äußeren Feinden, den Konsens für eine Kriegswirtschaft.

Das befreiende Szenarium: Inmitten jeder Krise liegt eine große Chance

„Mettete dei fiori nei vostri cannoni„… wahrscheinlich werden sich nur wenige an diesen Song der “Giganti” erinnern, eine Beat-Gruppe, die dieses Lied 1967 beim Festival von Sanremo vorgestellt hat. Der Song wurde zum Symbol der italienischen Friedensbewegung in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Blumen statt Bomben und Gewehrkugeln. Gartenbeete statt Aufrüstung. Gärten sind nicht nur ein Rückzugsort in einer chaotischen Welt; sie sind Orte einer Neubesinnung für das, was im menschlichen Dasein wünschenswert und lebenswert ist.

Dies war auch in vielen anderen Epochen menschlicher Geschichte so.

Il faut cultier notre jardin” – Voltaire hat seinen philosophischen Roman „Candide oder den Optimismus“ aus dem Jahre 1759 mit diesem Aufruf ausklingen lassen: „Wir müssen unseren Garten bestellen!“ Auch jene Zeiten waren zerrüttet von Gewalt und Chaos, von faschistoiden Mustern, wie wir sie heute kennen.

Der Aufruf zum „Rückzug in den Garten“ ist letztlich eine Einladung dazu, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und aus dem „Kleinen“ heraus, das „Große“ zu verändern.

Dort, wo die Geschichte ihre zerstörerischen und vernichtenden Kräfte entfesselt, müssen wir, wenn wir unsere geistige Gesundheit bewahren wollen, von unserer Menschlichkeit ganz zu schweigen, gegen sie und ihnen zum Trotz arbeiten. Wir müssen heilende und erlösende Kräfte ausfindig machen und es ihnen gestatten, in uns zu wachsen. Das ist gemeint, wenn es heißt, wir müssen unseren Garten bestellen.“ (Robert Harrison)

In unserem Friedensblog hatten wir vor einigen Wochen das Projekt der „Friedensgärten“ vorgestellt. https://www.friedensblog.net/2026/03/27/im-dialog-mit-der-welt/

Solche Initiativen können in ihrer antifaschistischen Tiefenwirkung weit mehr bewirken als die steril gewordenen Veranstaltungen zu einem „Tag der Befreiung“, der letztlich keine wirkliche „Befreiung“ mit sich brachte.

(*) Die Schlussworte im Theaterstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ (1941).

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